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Thüringer Bildungsminister spielt Lehrerbedarf herunter

In einer kürzlich abgegebenen Stellungnahme verkündete Bildungsminister Matschie, dass eine Korrektur in der Personalplanung durchgeführt werden müsse. „Es sind nicht so viele Lehrer nötig, bei Regelschul- und Gymnasiallehrern haben wir sogar einen Personalüberhang.“ so Christoph Matschie laut Medienberichten. Doch woher nimmt unser Bildungsminister solche Zahlen? Fakten wurden in üblicher intransparenter Weise natürlich nicht offengelegt. Die Argumentation wird durch angebliche interne Untersuchungen im Bildungsausschuss begründet. Falsche Bedarfszahlen wären der Fall gewesen, sagt man. 

Nun kann man getrost fragen, ob diese Berechnungen ebenso kurzfristig durchgeführt wurden, wie die letzten Bildungskürzungen an den Hochschulen. Ein kurzer Blick auf die Fakten zeigt jedoch:

Der momentane Altersdurchschnitt der Lehrer in Thüringen liegt nach der letzten Erhebung 2009/2010 bei 50,6 Jahren. [1] Dies bringt unter anderem einen erhöhten Krankheitsstand der Lehrkräfte mit sich, wodurch gerade in der aktuellen Witterungslage viele Unterrichtsstunden ausfallen müssen.

Da aufgrund einer knappen Planung keine Personalreserven bestehen, müssen viele Lehrer Überstunden ableisten.

Die bisherige Erhebung wurde im letzten Bildungsbericht 2008 auf Seite 6 in der Bedarfstabelle für die verschiedenen Schularten dargestellt. [2] Die nun aktuelle Lehramtsstatistik in Thüringen bezieht generell alle Lehrer ein, auch die, welche in den kommenden Jahren in Rente gehen werden. Ebenso sind in der aktuellen Ermittlung auch Lehrer im Schulamt und im Vorruhestand vertreten, welche also nicht aktiv an Schulen unterrichten. Die TLZ griff das Thema ebenfalls in einem kurzen Artikel auf und gab zu bedenken, dass noch genügend Lehrer zur Verfügung stehen, aber in den kommenden Jahren durch die Überalterung ein erheblicher Bedarf entstehen wird. Im Artikel wurde diese Problematik für 2014 vorausgesagt. [3]

 

In den kommenden Jahren werden also in allen Bundesländern inklusive Thüringen erheblich mehr Lehrkräfte benötigt werden. Dieses Ergebnis brachte erst jüngst eine Untersuchung der Uni Duisburg im Jahre 2009 zum Vorschein. [4] Andere Bundesländer handeln deswegen bereits und stellen erheblich mehr Lehrer ein. Wie wir bereits in einem Beitrag vom 31.01.2011 [5] kritisierten, gehen viele fertig ausgebildete Lehramtsstudenten in angrenzende Bundesländer, wie Hessen, Bayern und Sachsen-Anhalt, weil dort genügend Referendariatsplätze gekoppelt mit späteren Vollzeitstellen, angeboten werden. Somit verschenkt also Thüringen effektiv das Geld, welches die Ausbildung eigener Lehrer kostet, an andere Bundesländer. Eine langfristige Personalplanung ist nicht erkennbar.

Peter Städter, Lehrer in Erfurt und Vorstandsmitglied der PIRATEN Thüringen, bemerkt: „Von uns Lehrern wird gefordert, Schüler in immer größerem Umfang individuell zu fördern.  Dieses berechtigte Anliegen wird durch Einsparungen allerdings vollständig zunichte gemacht. Statt mehr Lehrer und Sonderpädagogen an den Schulen einzustellen und die Klassen so zu verkleinern, dass individuelle Förderung möglich ist, werden einfach Lehrkräfte eingespart. Auch die Integration von Förderschülern ist nur durch ausreichendes Personal und sonderpädagogische Unterstützung möglich.

Herr Matschie fordert seit langem Ganztagsschulen, bedenkt in diesem Zusammenhang aber anscheindend nicht, dass hierfür, gerade auch in Kombination mit der angestrebten Integration leistungsschwächerer Schüler, ebenfalls eine erhöhte Zahl von Lehrkräften notwendig ist.“

Bernd Schreiner, politischer Geschäftsführer der PIRATEN Thüringen, fragt: „Herr Matschie hat 2009 die Koalition mit der CDU damit gerechtfertigt, dass im Koalitionsvertrag die Aufstockung des pädagogischen Personals als der wichtigste Punkt der sozialdemokratischen Forderungen – vollwertig verhandelt werden konnte. Wenn sich dies nun doch nur als Vorwand für den eigenen Ministerposten herausstellt, wieviel vom angeblichen SPD- Bildungs-Profil ist in dieser Großen Koalition denn überhaupt übrig? Auch zeigt mir ein Blick in die Schule meines Sohnes, welcher aufgrund der Erkrankung des Lehrers seit Wochen keinen Französischunterricht hat, dass es in bestimmten Unterrichtsfächern schon heute einen akuten Mangel an Fachlehrern gibt.“

Diese Politik auf Kosten der Bildung, und damit der Zukunft unserer Kinder, kritisieren die PIRATEN Thüringen auf das Schärfste und appelieren zum wiederholten Male an Herrn Matschie, seine Planung zu überdenken und zu einer längerfristigen Planung im Bildungssektor überzugehen. Denn wer an Bildung  spart, der spart auch an der Zukunft des Landes und damit an der Zukunft Thüringens.

 

Quellen:

[1] http://www.schulstatistik-thueringen.de/?link=Allgemeines~System%220berb…

[2] http://www.thueringen.de/imperia/md/content/tkm/lehrer/personalentwicklu…

[3] http://www.tlz.de/startseite/detail/-/specific/1707-ABC-Schuetzen-in-Erf…

[4] http://www.uni-due.de/isa/lehrerbedarf_2009.pdf

[5] http://www.piraten-thueringen.de/Trotz_zukuenftigem_Lehrermangel__Agentu…