Bildungsprobleme lösen statt vertuschen!

Eine aktuell erschienene Studie der Bertelsmann-Stiftung zum Thema »Chancengerechtigkeit und Leistungsfähigkeit der deutschen Schulsysteme« [1] zeichnet ein katastrophales Bild. So ist der Kompetenzerwerb in kaum einem anderen Land stärker von der sozialen Herkunft abhängig als in Deutschland. [2]

Die Studie geht der Frage nach, wie gerecht das deutsche Bildungssystem ist. Dafür nutzten die Wissenschaftler u.a. Daten des Statistischen Bundesamtes und der PISA-Studie. Auf die Daten der Konferenz der Kultusminister (KMK) hingegen konnte nicht zurückgegriffen werden. Blockiert wurden die Anfragen der Forscher durch eine fadenscheinige Argumentation: Mit „Ländervergleiche sind Aufgabe der KMK und nicht die unabhängiger Institute“, versuchte die Bildungsministerriege ihre Weigerung zur Herausgabe der Daten gegenüber der Bertelsmann-Stiftung zu begründen.

Die PIRATEN Thüringen verurteilen eine solche Denkweise. »Dass Ergebnisse aus Studien, die durch Gelder des Steuerzahlers finanziert wurden, zurückgehalten werden, ist nicht nachvollziehbar. Zumal diese Daten der Bewertung politischer Maßnahmen – wie in diesem Fall dem Bildungssystem – dienen.«, so Peter Städter, stellvertretender Vorsitzender der PIRATEN Thüringen und selbst Lehrer.

Dabei wären diese Ergebnisse bitter nötig. So kommt „der Chancenspiegel“ auf Grundlage der übrigen Daten zu dem Schluss, dass Chancengerechtigkeit in Deutschland nicht gegeben ist. Zudem ist das deutsche Schulsystem nach oben zu wenig durchlässig. Diese Zusammenhänge erteilen an die politisch Verantwortlichen die eindeutige Aufgabe, endlich zu handeln.

»Bildung ist unserer Auffassung nach das zentrale Moment der Wissensgesellschaft im 21. Jahrhundert. Der freie Zugang und die Chancengleichheit sichern gesellschaftliche Teilhabe und sind damit Grundvoraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben. Der momentanen Bildungspolitik wird mit dieser Studie abermals ein Armutszeugnis ausgestellt. Wir müssen dringend handeln.«, bekräftigt Bernd Schreiner seinen Parteikollegen.

Vor allem im Bereich der Integration lernbehinderter Schüler landet Thüringen im Bundesvergleich auf den hinteren Plätzen [3], [4]. »Die Chancen des Aufstiegs im Bildungssystem sind in Thüringen laut dieser Studie deutlich unter dem Bundesdurchschnitt« erklärt Peter Städter.

So kommt das Projekt „Thüringer Gemeinschaftsschule“, welches viele der genannten Kritikpunkte angehen würde, aufgrund des Fehlens klarer Vorgaben seitens des Thüringer Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kunst kaum voran. Die Kombination aus Rechtsunsicherheit und fehlendem Finanzierungsspielraum der Bildungsträger, bedingt durch die Kürzung der Zahlungen des Landes an die Kommunen, führt dazu, dass nur sehr wenige Gemeinschaftsschulen entstehen.

[1] http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xchg/bst/hs.xsl/publikationen_111638.htm
[2] http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,820475,00.html
[3] http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-79703-11.html
[4] http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-79703-13.html


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